In den letzten Jahren hat sich viel im Thema Entrepreneurship getan, das zeigt sich auch bei den Einreichzahlen des i2b Businessplanwettbewerbs. Seit der Gründung ist die Zahl stetig gestiegen und hat sich nun bei rund 350 jährlichen Teilnehmern eingependelt.
i2b hat mit Alexander Pinter, dem Inscouts-Gründer und Gewinner des Sonderpreises für den optimalen Einsatz von Domains und Internettechnologien 2010 und Michael Schuster,Partner bei Speedinvest über aktuelle Entwicklungen im Startupumfeld gesprochen. Lesen Sie jetzt den zweiten Teil des Interviews, Teil 1 finden Sie hier.
i2b: Unterscheiden sich Investment-Entscheidungen in den USA und Europa? Was sind die Entscheidungskriterien – gibt es auch hier Trends, die man erkennen kann?
Michael Schuster: In gewisser Weise unterscheiden sich die Entscheidungen stark, wenn es um B2C Startups geht, die ohne Business Modell starten ist es in den USA oder auch UK einfacher, etwas wie Instagram hätte es hierzulande wohl schwer. Gewisse Grundlagen sind aber gleich, vor allem wenn es um das Team oder die Idee / den Markt geht. Als Trend kann man die stärkere Förderung der Frühphase, durch Accelerators, Inkubatoren und Mini-Angel Runden bezeichnen.
Alexander Pinter: Wesentliche Investmentkriterien sind ein funktionierendes Produktkonzept mit nachgewiesener, erster Traction, hohe Skalierbarkeit und unternehmerisches Talent. In Europa wird aus meiner Sicht zu oft ein Hype erzeugt, bevor ein wirklich solides Produkt da ist. Traction und Social Proof sind in den USA Grundvoraussetzung für ein Investment. Für ersteres gibt es keine treffende deutsche Übersetzung. Mit „Zugkraft“ lässt sich die ungefähre Richtung des Begriffs zwar ausmachen, aber die unternehmerische Definition meint mehr: Es geht um einen quantitativen Beleg für die Kundennachfrage, entweder die schon vorhandene oder die erst zu schaffende.
i2b: Was kann man sich im Zusammenhang mit Startup Investments unter „Social Proof“ genauer vorstellen?
Alexander Pinter: Im Begriff Social Proof steckt vor allem die Frage, wie gut ein Startup „Referenzpersonen“ für das Projektvorhaben begeistern kann. Informativer sozialer Einfluss trifft auch bei Investmententscheidungen zu – wenn Angels bei potenziellen Investments unsicher sind, schauen sie sich danach um, was die anderen machen. Das bedeutet, dass die Meinung anderer Investoren als valider Standard für die Bildung der eigenen Meinung über das Startup übernommen wird. Wenn sich also „Big Names“ dezidiert zu einem Projekt comitten, ist das ein extrem kraftvoller Beschleuniger – auch bei möglichen Anschlussfinanzierungen.
Michael Schuster: Auch wenn Social Proof bei Investment Entscheidungen “unfair” erscheint, so ist es doch ein ganz normales soziales Prinzip, dass man eher vertraut, wenn man Referenzen im eigenen sozialen Netzwerk hat. Unbekannten vertraut man selten Geld oder auch nur das eigene Auto an, wenn es aber „Social Ties“ gibt oder auch nur gemeinsame Erlebnisse, wird das einfacher. Insofern lohnt es sich in das Netzwerk zu investieren, aber nicht aus Kalkül dann „Social Proof“ zu erhalten, sondern einfach durch gute Arbeit und indem man etwas wertvolles beisteuert.
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