
Nutzer von Medien, die der Gründungsbranche nahe sind, aber auch Leser von Blogs über die neuesten Innovationen und Entwicklungen sehen sich immer häufiger mit einem englischstämmigen Ausdruck konfrontiert: „Crowd-Funding“. Kurz zusammengefasst bedeutet dieser, dass eine größere Gruppe – die „Crowd“ – gemeinsam ein Projekt finanziert. Dies gibt dem Initiator das benötigte Kapital, bei einem vergleichsweise geringen finanziellen Risiko für den individuellen Investor.
Ein bewährtes System im neuen Design
Wer den Ausdruck „Crowd-Funding“ öfter nutzt, wird auch entsprechend häufig in fragende Gesichter blicken. Weder der Name, noch das Konzept sind besonders bekannt. Dabei ist es alles andere als neu. 1882 versuchte die Stadt New York Geld für den Bau eines Podests zu sammeln, auf welchem ein großzügiges Geschenk der Franzosen platziert werden sollte. Doch erst als Joseph Pulitzer 1885 jedem Spender eine namentliche Nennung in seiner Zeitung versprach, kam die Sache ins Rollen und die Freiheitsstatue nach New York.
Heute läuft – dem Internet sei Dank – der ganze Prozess etwas anders ab. Auf Plattformen bewerben sich Projekte und buhlen um Unterstützer. Als Belohnung für die Unterstützung gibt es meist besondere Angebote für die Investoren. Diese reichen von früherem Zugang zum Endprodukt, über VIP-Events bis hin zu vergünstigten Services und Möglichkeiten der Mitgestaltung. Das Endergebnis ist – heute wie damals – das gleiche: Das Gefühl, bei der Entstehung von etwas Größerem mitgewirkt zu haben.
So leicht wird man zum Investor
Oft habe ich schon über das Thema gehört. In der Firma, privat, im Internet. Beruflich komme ich immer wieder mit der Kreativ-Plattform startnext in Berührung. Hunderte Projekte aus dem Bereich der Kreativwirtschaft stellen sich hier vor und können von Interessenten unterstützt werden. Aktuell sucht auch ein österreichisches Filmvorhaben nach Investoren: eine Kinodokumentation über den Prügel-Komiker Bud Spencer. Privat hingegen hat es mich kürzlich in den englischsprachigen Raum verschlagen: Auf Kickstarter.com gab es ein neues Konzept zur Automatisierung bestehender Geräte: SmartThings.
In die kreativen und (hoffentlich) zukunftsweisenden Ideen und Produkte zu investieren ist vergleichsweise unkompliziert. Neben einem Amazon- oder Paypal-Account und einer gültigen Kreditkarte braucht es nur noch ein wenig Vertrauen in das vorgestellte Produkt und mit wenigen Klicks ist man stolzer Unterstützer eines Start-Ups!
Funktioniert das wirklich?
Wer nun denkt, Crowd-Funding wäre nur für kleinere Projekte mit Finanzierungsvolumen im vierstelligen Bereich geeignet, der täuscht sich. Dass das Konzept auch bei größerem Investitionsbedarf funktioniert, zeigte die Spielekonsole Ouya. 950.000 US-Dollar hatte das in Los Angeles ansässige Unternehmen als ambitioniertes Ziel für die Finanzierung durch die Gemeinschaft gesetzt. Die Möglichkeiten reichten von 10 US-Dollar für die Vorabreservierung eines Benutzernamens bis zu einer Konsole aus der ersten Produktionscharge mit eingraviertem Namen, einem privaten Abend-Essen kombiniert mit einer VIP-Einladung zur Launch-Party um 10.000 US-Dollar. Das Fundraising war erfolgreich – nach einem Monat standen unterm Strich knapp 8,6 Millionen US-Dollar Kapital und 58.221 verkaufte Konsolen.
Soll ich, oder soll ich nicht?
Diese Frage muss jeder für sich beantworten. So viel sei gesagt: Die Summen, um die es beim Crowd-Investing geht, sind vergleichsweise gering und der Verwaltungsaufwand bleibt überschaubar. Dennoch bekommt man dafür ein Bauchkribbeln wie im Casino und die Chance, einem tollen Projekt den Weg zu ebnen.